„Musik wird oft nicht schön gefunden, …

… weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ (Wilhelm Busch). So weit, so billig, so Fahrstuhlgedudel. Aber darum soll es heute nicht gehen.

Treppenhaus

Seit Anfang März lebe und arbeite ich auf einer Großbaustelle. Die Wohnungsbaugesellschaft hat sich entschlossen, dieses (und viele Dutzend weiterer Gebäude im Quartier, fast ausnahmslos aus der Gründerzeit) sehr umfassend zu modernisieren. Entfernt werden Fenster, Türen, Dachpfannen, Teile von Außenwänden, und alle dafür erforderlichen Tätigkeiten haben eine Gemeinsamkeit: Sie erzeugen ein akustisches Inferno.

Üblicherweise zwischen 7 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags ertönen Vorschlaghammer-Toccaten, Säge-Arien und Hilti-Sinfonien, meistens gleichzeitig. Es ist ein Albtraum. Aber: Ich akzeptiere das, selbstverständlich. Städte werden nicht mit Uhrmacherwerkzeug erbaut.

Aber worauf ich hinaus will: Wenn nach getaner Arbeit der letzte Bohrer verstummt und der finale Hammerschlag getan ist, dann klingt selbst eine einzelne, sanft gezupfte Gitarrensaite oder ein leiser Ton vom Piano wie ein Sommerhauch, ein Akkord wie ein Ozean, und ein Song wie ein ganzes Universum.

Musik ist eine Naturgewalt. Hört gute Musik, und hört sie gut; besser noch: Macht gute Musik! Spielt jeden Ton als wäre es der letzte. Atmet Akkorde, und badet in Klängen.

Bis zum nächsten Morgen, laut Planung noch bis Ende November. Ich freue mich auf diesen Tag, auch wenn der Kontrast zwischen dem Tageslärm und dem Abendwohlklang dann vielleicht nicht mehr ganz so gewaltig ist. Trotzdem: Lasst Musik nie zu etwas „Normalem“ werden.

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